Friedensdienst, wo früher ein Schlachtfeld war

"Wo machst du deinen Freiwilligendienst?"

Ich: "In Verdun."

"Ah, war da nicht diese große Schlacht im ersten Weltkrieg?"

Diese Antwort habe ich sehr oft gehört. Und ja, es stimmt. 1916 sind in Verdun und Umgebung innerhalb kürzester Zeit 300.000 deutsche und französische Soldaten gestorben, 400.000 wurden verwundet. Auch wenn diese Zahlen umstritten sind, eines steht fest: Es waren viele, zu viele.

Ich möchte im folgenden Text nicht auf historische Details eingehen, sondern viel mehr verdeutlichen wie die bewegende Geschichte dieser Stadt noch heute präsent ist.

Als mir die Stelle im Weltfriedenszentrum Verdun angeboten wurde, habe ich im Internet über die Stadt recherchiert und "die Hölle von Verdun" kam in den Artikeln nicht selten vor. Meine Vorstellungskraft reicht nicht aus um mir auszumalen, was damals hier geschehen ist, aber es hat die Stadt gezeichnet und es ist auch heute noch überall zu sehen. Unternimmt man eine Fahrradtour oder fährt man mit dem Auto raus, so begegnet man (eher früher als später) einem Soldatenfriedhof. Davon gibt es nicht nur einen, sondern unzählige - kleine und größere. Viele Kreuze und Grabsteine sind mit dem Namen und dem Geburts-und Sterbedatum des Toten versehen. Viele der hier Begrabenen waren so alt wie ich es jetzt bin...

Die Knochen von über 130.000 nicht indentifizierten, deutschen und französischen Soldaten werden im Beinhaus von Douaumont aufgewahrt.

Die unnatürlich hügeligen, grünen Wiesen mit den schiefen Bäumen sehen irgendwie lustig aus, aber eigentlich haben hier Tausende Granaten und Minen ihre Spuren hinterlassen und viele Soldaten lebendig begraben.

Das Siegerdenkmal mitten in der Innenstadt erinnert genauso tagtäglich an diese dunkle Vergangenheit wie viele Museen...

Hier sind zwischen den Deutschen und den Franzosen so viele schreckliche Dinge passiert und trotzdem - und das finde ich doch irgendwie erstaunlich -  habe ich noch nicht einmal die Erfahrung mit antideutschen Einstellungen, Meinungen oder Äußerungen gemacht. Ganz im Gegenteil, alle sind sehr aufgeschlossen, interessiert und neugierig.

Fotos würden das wahrscheinlich eindrucksvoller darstellen. (Glaubt mir, sie sprechen für sich.) Allerdings ist meine Kamera kaputt, das bedeutet: Kommt nach Verdun und besichtigt es selber! ;-)

Judith

Foto: http://sebstein.hpfsc.de/2007/10/07/verdun/

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