Geschichte erwandern - im Freiwilligendienst

Letztes Wochenende war ich in den Bergen im Süden zur spanischen Grenze wandern. Es war in gewissem Sinne Geschichte wandern. Mit einer Gruppe von circa 30 Teilnehmern bin ich den Weg, über den der deutsche Philosophen Walter Benjamin im September 1940 ins Exil floh, nachgewandert.

Vom kleinen französischen Küstenstädtchen Banyuls ging es über die Berge in den spanischen Ort Portbou. Wir sind gute sieben Stunden unterwegs gewesen. Für mich war die Geschichte neu und ungeheuer interessant:

Es gab auf Drängen von Thomas Mann damals eine amerikanische Kommission, welche die europäischen Intellektuellen aus Europa herausholen sollte. Der amerikanische Zuständige hatte seinen Sitz in Marseille und hat von dort die individuellen Rettungsaktionen geplant. Eine Route war über die östlichen Pyrenäen nach Spanien und über Portugal in die USA. Die Bergetappe habe ich nachempfunden.

Die für Walter Benjamins Rettung Zuständige war eine Deutsche mit dem Namen Lisa Fittko. Zufällig habe ich auf der Wanderung einen nahen Verwandten von jener Lisa Fittko kennengelernt – ein amerikanischer Dokumentarfilmer aus Chicago (Frau Fittko ist emigriert), der heute in Berlin (!) lebt. Er war vor Ort, um einen Dokumentarfilm vorzubereiten. Berlin hat uns natürlich gleich zusammengebracht und wir haben im Anschluss gemeinsam Walter Benjamins Gedenkstätte besucht.

Walter Benjamin hat den Weg ins Exil nicht geschafft und ist auf bisher nicht vollständig geklärte Weise in Portbou ums Leben gekommen.

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