Mein Projekt: Le Memorial du Camp de Rivesaltes

Die Atmosphäre des Camp de Rivesaltes hat mich vom ersten Moment an eingefangen. Es ist kein Ort über den ich mich freue, obgleich das Camp nicht die erdrückende Schwere eines deutschen Konzentrationslagers ausstrahlt.
Diese wüstenartige verfallene Barackenlandschaft hat mit seiner vielschichtigen Geschichte in mir weitreichende Gedanken ausgelöst und zu hitzigen Diskussionen geführt.

Abschiebegefängnis für illegale Einwanderer Das Camp ist als Militärlager gebaut, allerdings ab 1941 zum großen Teil in ein  Internierungslager umfunktioniert worden. Es ist in dieser Form von der Flächenausdehnung das größte Internierungslager in Frankreich und eines der größten in Europa. Es ist wirklich unglaublich riesig. Während des Krieges waren spanische Flüchtlinge, Sinti & Roma und Juden interniert. Für letztere diente das Camp ab 1942 als Sammellager für die gesamte Südzone Frankreichs. Von dort wurden Deportationen nach Drancy (Paris) und weiter nach Auschwitz/Birkenau durchgeführt. Nach der Befreiung diente das Lager zur Internierung von Kollaborateuren und überwiegend deutschen Kriegsgefangenen. In den sechziger Jahren wurde ein Flüchtlingscamp für die Harkis (Algerier, die freiwillig oder durch Waffengewalt gezwungen im Algerienkrieg auf französischer Seite gekämpft haben) auf dem Lagergelände eingerichtet. Bis 2007 war auf dem Lagergelände eine Abschiebegefängnis für illegale Einwanderer in Betrieb. Heute sind große Lagerteile verkauft worden bzw. sind als Truppenübungsgelände in Gebrauch.

Keine Gedenkstätte auf dem flächenmäßig größten französischen Internierungslager Außer drei Gedenksteinen gibt es nichts. Keine Gedenkstätte, keine Ausstellung, keine Erklärungen der komplexen Lagergeschichte.

Ein  Lagerabschnitt wurde 2005 vom Conseil Général (politischer Zuständiger des Departements) mit dem Ziel gekauft ein Memorial zu errichten. Der Bau ist offiziell seit 2005 in Planung. Doch scheint sich die Umsetzung auf politischer Ebene festgefahren und das Projekt sich in der Komplexität von Akteuren und Interessen verstrickt zu haben. Schon lange ist die Gedenkstätte ein Spielstein im politischen Gefüge. Mir führt dieser Ort eindrucksvoll vor Augen wie schwierig und komplex die Sicherung der Vergangenheit in Form einer Gedenkstätte ist, wie sehr dies von politischen Machtspielen abhängt und dass ein gesellschaftlicher Wille zur offenen Konfrontation mit der eigenen Geschichte noch heute keinesfalls selbstverständlich ist.


 

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