Fahrräder können Leben retten
In Uganda werden Fahrräder für den Krankentransport eingesetzt. Doch die Anzahl der sogenannten Fahrradambulanzen ist knapp bemessen.
Foto: Sandra Tielsch
Alungat Scolostica konnte nicht helfen. Die Gesundheitshelferin im nördlichen Uganda hatte sich mit einer Schwangeren, die mit starken Bauchschmerzen zu ihr gekommen war, auf den 20 Kilometer weiten Weg in die nächste Ambulanz begeben. Zu Fuß. Unterwegs aber bekam die junge Frau Wehen, viel zu früh, und das Baby kam tot zur Welt.
Solche Schicksalschläge erleiden Menschen in dieser Region viel zu oft. Es fehlt an Transportmitteln. Und die können – für deutsche Verhältnisse – noch so gewöhnlich sein. FABIO, eine gemeinnützige ugandische Fahrradorganisation, fördert die Verbreitung sogenannter Fahrradambulanzen: Räder mit einem Anhänger, auf dem Kranke oder Schwangere liegend transportiert werden.
Die 1997 gegründete Organisation setzt sich mit mehreren Projekten für den nichtmotorisierten Transport in Afrika ein – aus Umwelt- und aus wirtschaftlichen Gründen: Als Mittel zur Fortbewegung, zum Lastentransport oder als Taxi („Boda-Boda“) bilden Fahrräder für viele Menschen die Grundlage für den Broterwerb. FABIO veranstaltet auch Reparatur-Workshops und vergibt Kleinkredite für Fahrräder. Europäische Organisationen unterstützen ihre Arbeit.
Fragen an Nils Thormann, FABIO-Freiwilliger
Woher kommen die Räder?
Aus Indien und China. FABIO kauft sie von hier ansässigen indischen oder chinesischen Händlern. Die Qualität ist nicht die beste, aber sie sind mit circa 70 Euro vergleichsweise günstig. Die Kreditlaufzeit beträgt auch dann noch ungefähr sieben Monate.
Was passiert, wenn sie kaputtgehen?
Die Leute machen viel selbst. Die meisten verstärken sowieso gleich zu Beginn die Gabel, viele montieren spezielle Gepäckträger, um Lasten oder auch Menschen transportieren zu können. Ersatzteile gibtʼs bei lokalen Händlern. Werkstätten wie bei uns gibt es kaum, aber Radtechniker, die vorbeikommen.
Wofür werden Spenden gebraucht?
Um neue Räder anzuschaffen. Gerade heute musste ich einen älteren Mann abweisen, der über das Kreditvergabeprogramm ein Fahrrad erwerben wollte. Ich musste ihn bitten, ein anderes Mal wiederzukommen.
Weitere Informationen unter: www.fabio.or.ug
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