Krieg - Deutsch. Ein Lexikon
Ein Versuch, die verklausulierten Sprache der Militärs und Politiker zu demaskieren
jala / photocase
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Abschreckung:
die unverhohlene Drohung, den Gegner, sollte er angreifen, zu töten
angesprengt:
durch eine explodierende Mine getroffen: ein oder mehrere Fahrzeuge oder Patrouillen. Oft werden Soldaten schwer verletzt oder getötet.
Anti-Terror-Krieg:
Krieg. Dabei wird der Gegner zum Terroristen degradiert und die Gewalt durch die eigene Partei als eine Art Polizeieinsatz zur Wiederherstellung des Rechts aufgewertet.
Appeasement:
historisch: die Politik...
jala / photocase
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Abschreckung:
die unverhohlene Drohung, den Gegner, sollte er angreifen, zu töten
angesprengt:
durch eine explodierende Mine getroffen: ein oder mehrere Fahrzeuge oder Patrouillen. Oft werden Soldaten schwer verletzt oder getötet.
Anti-Terror-Krieg:
Krieg. Dabei wird der Gegner zum Terroristen degradiert und die Gewalt durch die eigene Partei als eine Art Polizeieinsatz zur Wiederherstellung des Rechts aufgewertet.
Appeasement:
historisch: die Politik des britischen Premierministers Arthur Neville Chamberlain, der die Tschechoslowakei an Adolf Hitler verriet, um den Diktator zu besänftigen. Heute ein diffamierendes Synonym für diplomatische Bemühungen, um Krieg zu vermeiden.
Ausbildungs- und Schutzbatallion:
Kampf- und Gefechtstruppen, die in Afghanistan gegnerische Kämpfer, so genannte Taliban, aufspüren, beschießen und töten.
Ehrenmal:
oft ein Stein mit den Namen von Soldaten aus dem eigenen Land, die im Krieg ihr Leben verloren. Wie sie starben, ob durch Geschosse der gegnerischen Seite, der eigenen Seite, durch Unfall oder Selbsttötung, bleibt offen.
Flüchtlingsbekämpfung:
Aktion gegen Menschen auf der Suche nach Glück: sie auf ihren überfüllten Booten im Mittelmeer anhalten und festnehmen (eines der Unworte des Jahres 2009).
friedenserhaltende Gewalt:
Falsch verstanden: Synonym für „gerechter Krieg“ (s.u.). Richtig verstanden: Polizei-ähnliche Einsatzkräfte patroullieren in Unruhegebieten.
friedenserzwingende Maßnahme:
mit Soldaten in ein Land einrücken und anderen Gewalt androhen - in der Hoffnung, dass die anderen deshalb auf Gewalt verzichten.
gefallen:
von einer Kugel getroffen, von einer Bombe oder Mine zerfetzt werden, von einem Panzer überrollt werden und daran sterben. Nicht zu verwechseln mit: gestolpert und gestürzt. Auch nicht mit: todmüde umgefallen.
gerechter Krieg:
Krieg führen, töten und sich dabei im Recht fühlen.
Gleichgewicht des Schreckens:
Zwei Atommächte drohen, die ganze Welt zu zerstören, sollte eine der Mächte ihre Interkontinentalraketen auch nur abschussbereit in Stellung bringen.
Gotteskrieger:
Politisch motivierter Attentäter oder Soldat, der sich auch auf seine Religion beruft. Gemeint ist ausschließlich ein Gegner.
Held:
oft: toter Soldat. "Es sind die unerfüllten Träume der Überlebenden, die den Helden formen" (Jan Philipp Reemtsma)
Herausforderung:
militärisch schwierige bis aussichtslose Lage, wenn die Gegenseite übermächtig ist.
hinterhältige Bande:
eine von vielen Formen, den Gegner zu verunglimpfen, ihn zu diskreditieren und verbal aus dem Menschengeschlecht auszuschließen.
humanitäre Intervention:
Krieg. Politiker begründen solchen Militäreinsatz damit, dass sie die Bevölkerung eines anderen Landes schützen wollen. Solche Kriege können als kurze Einsätze angekündigt sein und sich dann über Jahre hinziehen.
Kollateralschaden:
Tote, Verwundete, zerstörte Krankenhäuser, Kindergärten, Schulen, Wohngebäude, Geschäfte, Lebensmittellager und Fabriken.
kriegsähnliche Zustände:
Krieg.
low-intensity-conflict:
englisches Wort für "niedrigschwelliger Konflikt". Tatsächlich aber leben Zivilisten jahrelang in Angst und Schrecken, Milizen durchstreifen das Land, vergewaltigen Frauen und morden wahllos, Ackerland ist vermint.
militärische Option:
Krieg.
nationales Interesse:
sich einen wirtschaftlichen Vorteil verschaffen.
nicht-tödliche Waffen:
Knüppel, Elektroschocker, Reizgas, Gummigeschosse, mit denen man Menschen töten kann.
nukleare Abschreckung:
die unverhohlene Drohung, alles Leben auf der Erde zu vernichten, sollte irgend ein Feind angreifen.
Präventivschlag:
Einen Krieg beginnen. Zuerst schießen, weil man meint, der andere könnte auch damit anfangen.
robustes Mandat:
töten erlaubt.
Sicherheitspolitik:
aufrüsten. Panzer, Kampfflugzeuge und Kriegsschiffe verkaufen.
Unübersichtliche Lage:
Keine Ahnung, wer der Feind ist. Aber irgendjemanden wird der Beschuss schon treffen
vernetzte Sicherheit:
Die Bundeswehr arbeitet mit Entwicklungshelfern und anderen zivilen Aufbauhelfern zusammen. Die Gefahr dabei: Entwicklungshelfer werden im Einsatzland als Teil des militärischen Apparates angesehen und so zur Zielscheibe für mögliche Attentäter.
Wehrdienstverweigerer:
abwertende Bezeichnung für einen Kriegsdienstverweigerer, der Menschen nicht töten kann oder will.
Weiche Ziele:
Menschen, die nicht durch Stahl oder Beton geschützt sind.
„Sie gehen mit Ihrer Freundin nachts durch den Wald. Ein Mann springt auf Sie zu und will Ihre Freundin vergewaltigen. Sie haben zufällig eine Schusswaffe dabei. Was tun Sie?“:
Beliebte Fangfrage aus den Kammern für Kriegsdienstverweigerer, in denen junge Männer bis in die 1980er Jahre ihre Verweigerung begründen mussten.
Helft uns, den Rechteinhaber zu ermittelnDokument oder Inszenierung?
Den Überbringer einer schlechten Nachricht pflegt man zu bestrafen – davon berichtet erstmals der antike Reiseschriftsteller Pausanias: Gott Apollon liebte Prinzessin Koronis und ließ sie von einem wunderschönen weißen Singvogel bewachen. Koronis war untreu, der Vogel meldete es. Aus Zorn verwandelte Gott Apollon den Vogel in ein schwarzes, krächzendes Flügelwesen – so entstand die Rabenkrähe.
Seither übt sich die Menschheit in Gezwitscher, wenn es um schlechte Nachrichten geht. Euphemismus nennt man das auf griechisch, denn Griechisch klingt gut. Gemeint ist Schönfärberei. Niemand möchte wie Apollons weißer Singvogel enden – rabenschwarz und verachtet wegen des hässlichen Gekrächzes.
Die Bürger wollen dem Gezwitscher von erfolgreichen Auslandseinsätzen der Bundeswehr aber nicht mehr glauben. Auch wir von zivil.de suchen nach dem eigentlichen Sinn von Worten und Formulierungen, deren sich Militärs, Politiker und selbst Friedensbewegte bedienen. Hier eine kleine Zusammenstellung - erweitere sie durch Kommentare, wenn du weitere Worthülsen weißt. Treffende Beiträge pflegen wir ins Lexikon ein.
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